Herzlich willkommen beim Synagogen-Gedenkband Bayern!

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JETZT Dritter Band / Teilband 1 Der Öffentlichkeit vorgestellt

Für die Herausgeberin und die Herausgeber sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es eine große Freude gewesen, dass am 12. Juli 2015 im Shalom Europa in Würzburg der 1. Teilband des III. Bandes der Öffentlichkeit präsentiert werden konnte. Der fast 900 Seiten starke Band deckt die Synagogengemeinden ab, die es um etwa 1930 in den unterfränkischen Landkreisen Aschaffenburg, Miltenberg, Main-Spessart, Würzburg sowie in den kreisfreien Städten Aschaffenburg und Würzburg gegeben hat.










Foto: Ausschnitt aus dem Titelbild



Foto: Dr. Josef Schuster (links), Prof. Dr. Hans-Christoph Dittscheid und Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer (oben), Prof. Dr. Wolfgang Kraus, Prof. Dr. Gury Schneider-Ludorff und Regionalbischöfin Gisela Bornowski (unten)


Bei der öffentlichen Präsentation begrüßte zunächst der Hausherr von Schalom Europa, Dr. Josef Schuster. Er ist Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Vorsitzender der IKG Würzburg und Unterfranken. Er wies darauf hin, dass Unterfranken eines der wenigen Gebiete Deutschlands war, in denen es eine derart hohe jüdische Bevölkerung gegeben hat. Der jetzt vorgestellte Band sei ein "Grundlagenwerk", das zeige, dass Juden in der Region seit vielen Jahrhunderten lebten und, was die Stadt Würzburg betreffe, auch heute wieder da seien.

Prof. Dr. Wolfgang Kraus (Universität des Saarlandes), einer der Herausgeber, war zusammen mit Prof. Meier Schwarz (Synagogue Memorial Institute Jerusalem) der Initiator des Projekts, das ganz Bayern im Blick hat. Kraus berichtete, dass 2002 das Team mit der Erforschung der Synagogen begonnen habe, die um 1930 in Gebrauch waren. 2007 sei der 1. Band veröffentlicht worden, der die Gemeinden in Altbayern, Schwaben und Oberfranken behandelt. 2010 sei der 2. Band für Mittelfranken erschienen. Dass der 3. Band für Unterfranken nun in zwei Teilbände aufgeteilt werde, verweise auf die Bedeutung Unterfrankens für die Judenheit in Bayern.

Die Mit-Herausgeberin Prof. Dr. Gury Schneider-Ludorff (Augustana-Hochschule Neuendettelsau) stellte mit warmen Worten das Team der Mitarbeitenden vor: Zunächst die Autoren der Ortsartikel Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger. Dann die weiteren Mitarbeiter, die im Hintergrund die Textvorlage druckfertig gemacht und unzählige Koordinationsaufgaben erledigt haben: Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber sowie die studentischen Hilfskräfte am Lehrstuhl von Prof. Schneider-Ludorff.

Prof. Dr. Hans-Christoph-Dittscheid (Universität Regensburg), einer der Herausgeber, leitete zu den Grußworten über. Der Regierungspräsident von Unterfranken, Dr. Paul Beinhofer, zeigte sich beeindruckt von der professionellen Herangehensweise an das Buchprojekt. Er hält diese Gedenkarbeit auch für die Zukunft des jüdischen Lebens in der Region für wichtig. Beinhofer fungierte bei der Präsentation als offizieller Vertreter des Freistaats Bayern. Der Freistaat ist durch das Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst neben der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern der Hauptförderer des Projekts.

Die Regionalbischöfin des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Ansbach-Würzburg, Gisela Bornowski, verknüpfte das Engagement ihrer Landeskirche mit dem nicht mehr abzustreitenden Antisemitismus, der auch in protestantischen Kreisen weit verbreitet war. Für Bornowski dienten die jetzigen Gedenkbände der Aufarbeitung „der manchmal antijüdischen evangelischen Geschichte“, wie sie sich ausdrückte. Ihre Ausführungen wurden mit einem anerkennenden Applaus der Zuhörer unterbrochen, als sie sagte: „Wir können als evangelische Christen nicht das Reformationsjubiläum 2017 feiern, ohne uns der verheerenden Wirkungsgeschichte von Luthers judenfeindlichen Schriften zu stellen.“

Neben dem Regierungspräsidenten und der Regionalbischöfin sprachen auch der römisch-katholische Generalvikar Thomas Keßler, der Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel sowie der Würzburger Oberbürgermeister Christian Schuchardt.

Hans Schlumberger sprach über die jahrhundertelange Geschichte der Juden in Adelsberg (Landkreis Main-Spessart). Dort werde exemplarisch deutlich, wie unsicher die rechtliche Situation von Juden in Deutschland war. Im Heiligen Römischen Reich mussten sie sich durch Schutzgeldzahlungen ein Aufenthaltsrecht erkaufen. Aufgrund dieser Zahlungen seien die Juden für Adelige finanziell interessant gewesen. Wie ein Renditeobjekt wurden sie von einer Generation an die nächste vererbt, so auch in Adelsberg. Zwar führte das Ende des Heiligen Römischen Reiches im 19. Jahrhundert zur Emanzipation der Juden, aber tragischerweise nicht zu einer toleranten Gesellschaft. Wie man in Adelsberg sehen könne, beargwöhnten die aus der Leibeigenschaft entlassenen Bauern die Juden und sahen sie keineswegs als Mitbürger. Bei diesen Bauern als "Modernisierungsverlierern", so Schlumberger, konnte der Antisemitismus leider auf fruchtbaren Boden fallen.

Cornelia Berger-Dittscheid referierte über die 1841 eingeweihte Würzburger Hauptsynagoge an der Domerschulstraße. Den damaligen Vorstellungen entsprechend wählte man für den Bau orientalisch anmutende Elemente. Mit den Fensterformen, die an das alte Ägypten erinnerten, bekam das Gebäude ein Aussehen, das damals (noch) nicht als fremdartig abgelehnt, sondern als exotisch-aufregend verstanden wurde. Diesen Eindruck unterstrich man mit der Gestaltung des Toraschreins, der dem Portal einer antiken Tempelanlage ähnelte. Nachdem die Nazis die Hauptsynagoge während der Novemberpogrome geschändet hatten, wurde sie durch die Bombardierungen 1945 völlig zerstört und nach dem Krieg abgebrochen.

Axel Töllner betrachtete das Schicksal der jüdischen Familie Wahler in Hörstein (Landkreis Aschaffenburg). Im Jahr 1947 fand Isaac E. Wahler, Sohn des Hörsteiner Lehrers Israel Wahler, in einem Lagerhaus rund 1.200 Leitz-Ordner und ein Fotoalbum. Wahler suchte als Mitarbeiter bei den Nürnberger Prozessen nach Material, das die Verbrechen der Nationalsozialisten erhellen könnte. Dabei stieß er dort auf Akten der Würzburger Geheimen Staatspolizei, in denen Gestapo-Mitarbeiter die Deportation der unterfränkischen Juden minutiös aufgezeichnet hatten. Die weit mehr als 100 Fotografien dokumentieren aus der Sicht der Täter, wie die Deportationen in Würzburg und Kitzingen verliefen. Dort wurden Juden aus allen Teilen des „Gaus Mainfranken“ für ihre „Evakuierung“ zusammengetrieben, registriert, untersucht und in Züge verladen. Unter den Dokumenten fand Isaac E. Wahler auch Unterlagen über die Deportation seiner Eltern Israel und Bella Wahler. 1942 fuhr das Hörsteiner Ehepaar mit der dritten Deportation der mainfränkischen Juden in den Tod in einem Transitlager.


Druckkostenzuschuss durch die "Bürgerstiftung Würzburg und Umgebung"



Die "Bürgerstiftung Würzburg und Umgebung" hat der Drucklegung des Synagogen-Gedenkbandes Bayern eine Projektförderung von 1.000 Euro zugesagt. Unser Mitarbeiter Hans Schlumberger (links) war bei der symbolischen Scheckübergabe dabei.


Druckkostenzuschuss für den dritten Band, der im Sommer 2015 erscheint

WÜRZBURG - Die Stiftung der Sparkasse Mainfranken Würzburg hat das Synagogenprojekt mitbedacht, als sie im Frühjahr 2015 Geld für wertvolle Projekte von gemeinnützigen Vereinen und Organisationen unterstützte. Die Summe, die unser Projekt bekommen hat, dient der Mit-Finanzierung der Drucklegung des dritten Bandes, der diesen Sommer erscheinen wird. Dr. Gerhard Gronauer war bei der symbolischen Scheckübergabe in Würzburg dabei.




Dr. Axel Töllner ist neuer Landeskirchlicher Beauftragter für Kirche und Judentum

NÜRNBERG - Der langjährige Mitarbeiter des Synagogenprojekts, Dr. Axel Töllner, ist in sein neues Amt als Beauftragter für Kirche und Judentum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern eingeführt worden. In Gegenwart des neuen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster (Würzburg), sprachen Oberkirchenrat Michael Martin, Kirchenrat Ivo Huber, Prof. Wolfgang Kraus und andere dem neuen Beauftragten den Segen Gottes zu. Zu dem Einführungsgottesdienst waren am zweiten Adventssonntag, den 7. Dezember 2014, zahlreiche Gäste in die Nürnberger St. Egidienkirche gekommen. In seiner Funktion als Beauftragter für Kirche und Judentum übernimmt Töllner auch die Leitung des neu gegründeten Instituts für christlich-jüdische Studien an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau bei Ansbach.

In seiner Einführungspredigt äußerte sich Töllner besorgt über einen immer noch gegenwärtigen Antisemitismus: "Die Zeit der Vorurteile und der Dummheit in unserer Gesellschaft dauert leider an. Ich sehe Judenfeindschaft, die nach wie vor immer wieder Zustimmung findet. Ich sehe dasselbe alte Denken, das sich immer wieder in scheinbar neuen, aktuellen und immer raffinierteren Gewändern präsentiert: Die Juden sind schuld." Aus eigener Erfahrung konnte Töllner berichten, dass gegen Vorurteile wirkliche Begegnungen mit Jüdinnen und Juden am besten helfen. In Anlehnung an ein Bibelwort aus Lukas 21,28 ("Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht") sagte er: "Wo zwei sich aufrichten und ihre Köpfe hochheben, da kann ein Gespräch auf Augenhöhe entstehen. Wenn zwei sich ins Gesicht schauen und sich so begegnen, wenn sie sich zuhören, sich befragen und miteinander diskutieren – dann liegt darin eine Verheißung und vielleicht ein Moment, in dem Erlösung jetzt schon ganz nahe ist. Beide gehen reicher, als sie gekommen sind."

Dr. Axel Töllner wurde 1968 in Marktoberdorf geboren und studierte an der Hebräischen Universität Jerusalem sowie in Kiel und Erlangen evangelische Theologie und christliche Publizistik. Seine Dissertation wurde 2007 unter dem Titel "Eine Frage der Rasse? Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, der 'Arierparagraf' und die bayerischen Pfarrfamilien mit jüdischen Vorfahren im 'Dritten Reich'" veröffentlicht. Nach verschiedenen Pfarrstellen ist er seit 2007 Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Synagogenprojekt gewesen.

Foto: Dr. Axel Töllner (rechts neben Säule) und Dr. Josef Schuster (links neben Säule)



Synagogen-Gedenkbände helfen bei der Erinnerungsarbeit vor Ort

DINKELSBÜHL - Der von Barbara Eberhardt verfasste Artikel "Dinkelsbühl" im zweiten Synagogen-Gedenkband "Mehr als Steine" (2010), welcher die jüdischen Gemeinden in Mittelfranken behandelt, ist zur Grundlage intensiver Erinnerungsarbeit vor Ort geworden. Im November 2014 folgten 200 Personen dem Aufruf von Dr. Gerhard Gronauer, Mitarbeiter beim Synagogenprojekt, und Ingeborg Raab, Vorsitzende der VHS Dinkelsbühl, an einem Altstadt-Rundgang entlang der jüdischen Spuren teilzunehmen.

Das große Interesse der Bevölkerung überraschte die Veranstalter, aber dank der Lautsprecher, die der Tourismus-Service holte, konnten alle gut hören, als Gronauer von der Geschichte der Juden in dieser Stadt berichtete. Ein Schwerpunkt bildete das Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome von 1938. An den so genannten Stolpersteinen des Künstlers Gunter Demnig vor den Wohnhäusern vertriebener und ermordeter Juden legten die Rundgangsteilnehmer Rosen ab. Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer hatte sich der Gruppe genauso angeschlossen wie der Ansbacher Landrat Dr. Jürgen Ludwig.

Möglich war dieser lokale Rundgang auf jüdischen Spuren durch die Veröffentlichung des Synagogen-Gedenkbands geworden. Das zeigt, dass die jahrelange Arbeit der Herausgeberin und der Herausgeber sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Synagogenprojekt von großem Wert ist.

Siehe auch Bericht im "Evangelischen Sonntagsblatt für Bayern" vom 23.11.2014:

http://www.sonntagsblatt-bayern.de/news/aktuell/2014_47_anw_13_01.htm



Pfarrer Dr. Gerhard Gronauer hat im Herbst seinen Dienst beim Synagogenprojekt angetreten.



Seit 1. September 2014 arbeitet der Theologe aus Dinkelsbühl als wissenschaftlicher Mitarbeiter für den 4. Teil des Gedenkbands mit.


Die laufende Arbeit

Zurzeit arbeitet das Forschungsteam an den ehemaligen jüdischen Gemeinden und Synagogen in den unterfränkischen Landkreisen Main-Spessart und Würzburg sowie der Stadt Würzburg. Neben regelmäßigen Archivbesuchen im Staatsarchiv Würzburg sowie kommunalen Archiven stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Heimatforscherinnen und -forschern in Kontakt und begeben sich auf lokale Spurensuche. Die Herausgeberin und die Herausgeber bearbeiten derzeit Rohfassungen von Artikeln aus den ehemaligen Gemeinden der Landkreise Aschaffenburg und Miltenberg.


Das finden Sie auf unseren Internetseiten

Unter "Projekt" informieren wir Sie über unsere Arbeiten, unser Team und stellen ausgewählte Forschungsergebnisse vor. Die Ergebnisse der langjährigen Recherchen werden in den Synagogen-Gedenkbänden publiziert, die Sie auch online bestellen können.

Unter "Verschiedenes" finden Sie Veranstaltungen rund ums Thema sowie die Presseberichterstattung über unsere Aktivitäten. Künftig werden wir auch Materialien zum Download bereitstellen.

Falls Sie zusätzliche Informationen haben, die Sie auf unseren Seiten bislang vermissen, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.